Eine Idee
Sie wohnen in sechs Staaten, sprechen einen stark gegliederten deutschen Dialekt: Alemannisch, und die Pulsader ihres Gebiets ist der Rhein, den sie Rhi nennen oder Rhin. Das alemannische Gebiet ist eine kulturelle Austauschzone zwischen dem deutschen und dem romanischen Raum, zwischen West­ und Mitteleuropa.

Das Elsaß ist von französischer Kultur geprägt. Baden und Allgäu leben im staatsdeutschen Kulturraum. Die Schweiz hat ihre viersprachige Eigenständigkeit. Vorarlberg empfängt seine Impulse aus Wien. Ein Klein­Europa also, heterogen und homogen zugleich, auseinandergerissen durch Staatsgrenzen, verbunden durch die Herkunft, die Sprache und den Rhein.

Die Alemannen sind Lokaldemokraten. Ihre Bauern­ und Bürgerrepubliken des Mittelalters sind typisch für diesen Hang zur Demokratie von unten, zur Freiheit auf jeder Ebene. Sie sind nicht geschaffen, Reiche und Nationen zu gründen. Sie fühlen sich nicht dazu berufen, andere zu beherrschen. Sie lieben das Überschaubare und die tiefe Verwurzelung. Was draußen in der Weit geschieht, verfolgen sie mit einer ironischen Skepsis. Was ist sie nun eigentlich, diese Alemannische Internationale? Eine Idee, die Leute aus einem großen, einheitlichen aber dennoch stark gegliederten Raum zusammenbringt zur gemeinsamen Reflexion und Aktion in bestimmten Bereichen... Rückbesinnung auf die eigenen, bodenständigen Werte und weite Öffnung der Horizonte.

André Weckmann (1977)
 

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